0. Mein Objektiv befindet sich in der Profilbibliothek.
Heißt das, das Objektiv ist schlechter als andere?

Nein, ganz im Gegenteil. Die Standard-Bibliothek wird nach Kriterien der praktischen Bedeutung zusammengestellt. Acolens wurde nicht entworfen, um schlechte Objektive gut zu machen. Das geht nicht, denn fehlende Bilddaten kann keine Software "dazuraten". Deshalb ist es wichtig, möglichst gute Objektive zu verwenden, um gute Ausgangsdaten zu erhalten. Ihr Schlachter verkauft Ihnen ja auch kein schlechtes Fleisch, nur weil er ein Gewürzregal hat. (Also Vorsicht vor schon gewürztem Fleisch!)

1. Ist Acolens bei People und Modefotographie nützlich?

Seit der Lochkamera geht die Entwicklung zu immer besseren und aufwendigeren Objektiven. Dies gilt auch - oder gerade - in der Portrait- und Modefotographie. Natürlich fallen optische Restfehler wie Verzeichnung bei Gegenständen schneller ins Auge. Diese kommmen, wenn auch nur als Hintergrund, hier vor. Und auch hier gilt, dass das beste Resultat nur dann erzielt wird, wenn man allen Komponenten die gleiche Aufmerksamkeit widmet.

2. Muss ich meine Objektive immer selber vermessen?

Nein:
Acolens wird mit einer sehr umfangreichen Objektivbibliothek geliefert. Da die optische Restfehlerkorrektur in Acolens unabhängig von der RAW-Konvertierung erfolgt, kann das Objektivprofil mit jeder Kamera kombiniert werden, die über ein passendes Bajonett verfügt.

Ähnlich wie im Colormanagement reicht in den meisten Fällen das Grundprofil für gute Ergebnisse vollständig aus. Eine Vermessung ist nur dann notwendig, wenn Sie das beste Ergebnis aus Ihrem System wollen, oder sich für das Objekitv kein Profil findet.

3. Korrigiert Acolens Bilder von Fisch-Augen-Objektiven?

Acolens wurde geschaffen, um dort „weiter zu machen", wo der Objektiv-Konstrukteur an den Grenzen der Physik gezwungen war, aufzuhören.

Fisch-Augen-Objektive sind bewusst für eine runde Darstellung optimiert. Hier wäre die Aufgabe von Acolens, eine optimale runde Darstellung zu erzeugen. Dies ist dann doch eine sehr exotische Anwendung.

4. Erzeugt Acolens eine MTF oder andere Darstellungen der Messergebnisse?

Acolens dient nicht zum Vergleich oder zur Bewertung von Objektiven!

Wir sind grundsätzlich der Auffassung, dass es keine schlechten Objektive gibt. Jede Objektiv-Konstruktion ist immer ein Kompromiss. Selbst wenn Geld keine Rolle spielen sollte, setzen zum Beispiel Größe und Gewicht immer eine Obergrenze. Wir möchten natürlich nicht ausschliessen, dass es auch „unglückliche" Kompromisse gibt.

MTF-Kurven haben sich als Bewertungsmittel durchgesetzt. Leider kann man die Aussage einer MTF-Kurve nicht automatisch mit Bildqualität gleichsetzen. So gibt es z.B. ältere Objektiv-Konstruktionen, deren MTF in der Bildmitte keine so „guten" Werte liefern wie aktuelle Konstruktionen. Dafür ist der Verlauf der MTF zum Rand hin bei alten Rechnungen häufig viel harmonischer und flacher, während diese bei den „modernen" Konstruktionen nach wilden Schwingungen regelrecht abstürzt. In diesen Fall zeigen die Bilder der alten Konstruktionen erheblich feinere und vor allen Dingen lebendigere Texturen. Ferner lassen sich solche Bilder viel effektiver nachbearbeiten.

Für den Fotographen stellt sich dann die Frage, ob er ein Datenblatt oder ein Objektiv kaufen soll. Da Datenblätter aber keine Bilder machen, empfehlen wir, sich eingehend mit den Bildern, die ein Objektiv erzeugt, zu befassen.

5. Lohnt sich ein Systemwechsel, wenn der Wettbewerber meines Systems neue Objektive anbietet?

Für ein perfektes Ergebnis ist es notwendig, jedem Glied der Kette mehr oder weniger die gleiche Aufmerksamkeit zu widmen. So kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein System, in dem alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind - sprich u.a. die Objektive mit Acolens vermessen wurden -, ein besseres Gesamtergebnis liefert, als ein System mit einem deutlich "besseren" Objektiv, bei dem aber die Nachverarbeitung nicht optimiert wurde.

6. Meine Konfiguration liefert keine oder nur unvollständige Meta-Daten. Kann ich trotzdem die Bilder mit Acolens korrigieren?

Ja.

Es kann viele Gründe geben, weshalb es für die Aufnahme keine Meta-Daten gibt. Z.B. liefern einige Kombinationen aus digitalen Rückteilen und Mittel- oder Großformatkameras keine Meta-Daten. Bei nahezu allen Shift-Objektiven werden die Verstellwege nicht in den Meta-Daten abgelegt.
Schließlich enthalten gescannte Analog-Aufnahmen keinerlei Meta-Daten.

In allen Fällen ist es kein Problem, diese Bilder mit Acolens zu verbessern. Sie müssen sich natürlich auf die eine oder andere Weise die Aufnahme-Daten merken. Eine gute Hilfe wäre es, Audio-Notizen mit dem eingebauten Kamera-Mikrofon aufzuzeichnen.

7. Warum bauen Kamerahersteller solche Techniken nicht gleich im Gehäuse ein?

Das ist eine Frage, die grundsätzlich nur der Kamerahersteller beantworten kann.

Als Produkt für höchste Qualitätsanforderungen, haben wir bei Acolens nur entsprechend anspruchsvolle mathematische Verfahren gewählt. Diese verlangen entsprechenden Ressourcen, die heute und in absehbarer Zeit nicht sinnvoll in ein Kameragehäuse passen. Stellen Sie sich einfach vor, daß Ihr Notebook ohne Bildschirm, aber mit der ganzen Elektronik und dem Akku, in das Kameragehäuse passen muss.

Je mehr Rechenleistung in der Kamera, desto größer ist die Gefahr, dass der Hersteller die Bilder manipuliert. Er könnte die Schwächen der Hardware dem Kunden vorenthalten oder gar Bildinhalte verändern.

Das Vorgehen von Acolens ist vollständig transparent und nachvollziehbar.

8. Warum kann ich eine Referenztafel nicht selber ausdrucken?

Für ein optimales Ergebnis muss die Tafel absolut plan sein. Für ein leichtes Ausleuchten darf die Tafel nicht reflektieren. Beides erfordert in der Regel verschiedene Experimente, bis es optimal ist. Das erfordert immer Zeit und Geld. Um sicherzustellen, dass Acolens korrekt arbeitet und um möglichst alle Störquellen auszuschilessen, haben wir uns entschlossen, nur eine Tafel anzubieten, die wir auch wirklich kennen. Das spart dem Kunden Zeit und Geld.

9. Korrigiert Acolens die Chromatische Aberration?

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden, mit einer Software Chromatische Aberration zur korrigieren. Beim ersten Verfahren werden in einem bestimmten Radius farbige Geisterbilder einer Kante gesucht und sodann entfärbt. Dieses Verfahren ist sehr einfach und kann auch ohne jede Kenntnis des jeweiligen Objektivs durchgeführt werden. Allerdings wirkt es in der Regel an allen Stellen des Bildkreises gleich stark und reduziert ganz erheblich die Qualität feiner Texturen. Das andere Verfahren basiert auf einer geometrischen Verschiebung der Farbauszüge. Hier ist häufig der Nachteil, dass eine theoretische Annahme über das Verhalten der Abweichungen nicht ausreichend ist.

Da wir als Zielgruppe hochprofessionelle Anwender haben, scheiden für uns alle Lösungen, die keine deutliche Verbesserung mit sich bringen und für den Anwender nicht vollständig nachvollziehbar sind, aus. Als kleiner und flexibler Hersteller haben wir die Freiheit, auf marketingorientierte Placebos, die günstigenfalls nichts bewirken, verzichten zu können.

Deshalb arbeiten wir an einer entsprechenden Lösung und bitten Sie um ein wenig Geduld.

13. Juli 2009